Schlaftagebücher in der Diagnostik von Insomnien
In der Diagnostik chronischer Schlafstörungen stellen Schlaftagebücher ein unverzichtbares Instrument zur Ergänzung der mündlichen Anamnese dar. Vom Arbeitskreis Diagnostik werden folgende Tagebuchversionen empfohlen:
Abend-Morgenprotokoll für 2 Wochen (Kurzversion):
Dieser Fragebogen gibt einen Überblick über das Schlaf-Wachverhalten von zwei Wochen und eignet sich daher vor allem für die Verwendung in der Anamnese sowie bei Verlaufs- und Kontrollmessungen. Zur Verbesserung der Leserlichkeit empfiehlt sich nach dem Herunterladen und Ausdrucken eine Vergrößerung der Vorlage auf das Format DIN A3.
Abend/Morgen-Protokolle (Standardversion):
Dieser Fragebogen erfaßt ausführlich das Schlaf-Wach-Verhalten eines 24-h-Tages. Er ist vor allem zur Erfassung der subjektiven Beurteilung des Schlafes während der Untersuchungsnächte in einem Schlaflabor geeignet.
Schlaftagebücher
Schlaftagebücher werden meist in Form eines Wochenprotokollblattes dem Patienten nach Hause mitgegeben, in das er jeden Abend und jeden Morgen seine Zubettgeh- und Aufstehzeit, die geschätzte Einschlafdauer, Aufwachhäufigkeit, nächtliche Wachdauer, Gesamtschlafdauer und subjektives Erholtsein am Morgen einträgt. Zusätzlich können Tagesbefindlichkeit und Leistungsfähigkeit, Mittagsschlaf und Alkoholkonsum am Abend erfaßt werden. Dieser Fragebogen soll vom Patienten 14 Tage lang ausgefüllt werden, um eine valide Verlaufsmessung zu erhalten. Zur Motivierung des Patienten für eine solche Selbstbeobachtung reicht ein erklärender Hinweis wie "Um einen genaueren Einblick in das Ausmaß und die Ursachen Ihrer Schlafbeschwerden zu bekommen, möchte ich Sie bitten, zunächst diese Fragebogen sorgfältig auszufüllen".
Für den behandelnden Arzt stellt das Schlafprotokoll bei geringem Zeit- und Kostenaufwand eine reichhaltige Informationsquelle dar, die ihm Aufschluß über die Symptomatik und das Ausmaß der Beschwerden gibt. Aus dem Gesamtbild des Schlafprotokolles lassen sich weiterhin differentialdiagnostische Hinweise ableiten, z.B. der Verdacht auf Hypersomnie bei mangelnder Erholsamkeit am Morgen trotz ausreichender Schlafdauer oder z.B. ein Verdacht auf depressive Grunderkrankung bei regelmäßigem frühmorgendlichen Erwachen und morgendlichem Stimmungstief.
Eine der wichtigsten Informationen, die das Schlafprotokoll bietet, besteht in den Hinweisen darauf, ob der Patient durch eine mangelnde Schlafhygiene zur Aufrechterhaltung seiner Insomnie selber beiträgt. Hierzu gehören beispielsweise der gerade in der Globalschätzung häufig bagatellisierte, in den Schlafprotokollen aber regelmäßige moderate Alkoholkonsum am Abend, Dauer und Zeitpunkt des Mittagsschlafes, unregelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten, sowie die Dauer der Bettliegezeit insgesamt. Nicht selten stellen sich z.B. die Schlafbeschwerden älterer Patienten als Folge zu langer (häufig zehnstündiger) Bettliegezeiten dar. Entsprechende Auffälligkeiten sollten mit dem Patienten besprochen, ihre Auswirkung auf den Schlaf erklärt und der Patient zu einer dauerhaften Verhaltensänderung motiviert werden. Der Erfolg solcher schlafhygienischer Maßnahmen, ebenso wie der medikamentöser Interventionen kann dann durch weitere Schlafprotokolle überprüft werden.
Für den Patienten bedeutet die Verwendung eines Schlafprotokolles, daß er sich in seinen Schlafbeschwerden ernst genommen fühlt, und verbessert auf diese Weise die langfristige Behandlungscompliance. Daneben bewirkt das Führen eines Schlafprotokolles, indem es den Patienten zum "Wissenschaftler in eigener Sache" macht, selber oft schon einen therapeutischen Effekt: Chronische Insomniepatienten neigen dazu, das Ausmaß ihrer Schlafstörung im Sinne eines depressiven Wahrnehmungs- und Denkstiles zu überschätzen bzw. zu katastrophisieren. Entsprechend fallen Globalschätzungen von Patienten z.B. bezüglich ihrer durchschnittlichen Schlafdauer regelmäßig schlechter aus als Verlaufsmessungen und das Ausfüllen des Schlaftagebuches kann hier eine erste beruhigende Relativierung darstellen. Anhand von Schwankungen innerhalb der Schlafbeschwerden kann der Patient zusätzlich für sich selber abklären, ob psychische Belastungen (best. Tagesereignisse, Streß, Wochentageffekte) seinen Schlaf beeinflussen und so die Überzeugung, daß es sich in erster Linie um ein medizinisches Problem handeln müsse ggf. modifizieren.
Letzte Aktualisierung: 19.07.2007 14:59:26 Seite drucken